Die Freude nach dem Sieg war groß, nachdem Stuttgart dem Pokalaus nur knapp entgangen war.
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Stuttgart, 18.58 Uhr: Die SCHARRena bebt, das Dröhnen der
Klatschpappen tost durch die Ohren, die Spielerinnen stehen auf dem
Feld, in Erwartung des ersten von vielen Pfiffen, die an diesem
Abend entscheiden, wer am 29.01. in Mannheim um den begehrten
DVV-Pokal spielen darf. Aber weder die 1720 Zuschauer, noch die
beiden Teams ahnen, was sie in den folgenden 114 Minuten
erwartet.
Stuttgart startete holprig in den Satz, erschien nicht wach
genug, um Spielsituationen rechtzeitig zu analysieren und
angemessen zu reagieren. In den Angriffen gelang es dem Gastgeber
vom Neckar nicht, Kraft und Präzision zu vereinen und
ermöglichte den Roten Raben Vilsbiburg so ein leichtes
Abwehrspiel. Bereits beim 1:4 nahm Stuttgarts Trainer
Hernández die erste taktische Auszeit - nach einem Ass von
Nichol war die Absprache auf der Stuttgarter Seite zwar noch nicht
ganz stimmig, aber zumindest gelangen dem Team die Annahmen
besser.
Mit etwas Glück und dynamischerem Spiel kämpfte sich
Allianz MTV dann jedoch über die erste technische Auszeit
hinweg auf der Punkteskala nach oben und ging erstmals vor
Vilsbiburg in Führung. Dieser Vorsprung stellte sich alsbald
als zerbrechlich heraus - 10:10. Die enorme Steigerung der Roten
Raben seit dem Heimspiel am 28.10., bei dem die drei Punkte mit
einem glatten, aber knappen 3:0-Sieg an Stuttgart gingen, war
augenscheinlich. Das Team um Cheftrainer Jonas Kronseder gestaltete
sich als noch schwererer Gegner als der Dresdner SC im
Pokal-Viertelfinale - und als ein mehr als würdiger Gegner
für das Halbfinale!
Stuttgart spielte wie paralysiert
Keao Burdine und Srna Markovic stellten den Stuttgarter Block
durch druckvolle Angriffe Spielzug für Spielzug auf die Probe,
erfolgreich! Leichte, ärgerliche Fehler der Heimmannschaft
ließen die Roten Raben auf 12:16 davonziehen - und Allianz MTV
vermochte nicht, in der Minute, die dem Team in der zweiten
technischen Auszeit blieb, nach einer schnellen, aber
wirkungsvollen Lösung zu suchen. Der überwältigende
Kampfgeist der Roten Raben Vilsbiburg paralysierte Valerie Nichol,
Micheli Tomazela Pissinato und Co. regelrecht. Der erste Satzgewinn
sollte nach einem letzten Herankämpfen Stuttgarts bis zum
23:25 an die Gäste aus Vilsbiburg gehen.
Mit zusätzlich gewonnenem Selbstvertrauen griffen die
Gegnerinnen aus Niederbayern erneut im zweiten Satz des Halbfinales
an und dominierten das Spiel in der Stuttgarter SCHARRena in nahezu
jeder Hinsicht. Erst zum 6:6 schaffte Allianz MTV den Ausgleich.
Durch grandiose Rettungsaktionen und immense Blockstärke, in
Person von Marlies Wagendorp und Barbara Wezorke, setzte sich
Vilsbiburg darauf wieder zum 6:8 ab. Der sonst so starke Kampfgeist
der Stuttgarterinnen leuchtete in diesem Satz nur schwach,
erinnerte an den ersten Satz, der bereits nicht zugunsten der
blauen Schmetterlinge ausgegangen war. Nach einem Stuttgarter
Aufstellungsfehler zum 8:15 kündigte Hernandez den ersten
Doppelwechsel an: Kočar und Van Daelen für Nichol und
Whitney. Der Wechsel brachte zwar frischen Wind in die Stuttgarter
Segel, bremste den Gegenwind der flügelschlagenden Raben
jedoch auch nicht aus.
Trainer Hernández probierte Alternativen
aus
12:19 - Erneuter Doppelwechsel zur ursprünglichen
Aufstellung hin zurück, aber auch diese Maßnahme blieb
erfolglos. Für Michaela Mlejnková kam zum 12:21 dann
Julia Schaefer erstmals aufs Feld. Zum 14:22 Mittelblockerin
Jennifer Pettke für Nia Grant. Weder die eingewechselten
Spielerinnen, noch das gesamte Team auf dem Feld konnten den
unweigerlichen Ausgang von 17:25 noch richten.
In den dritten Satz ging das Stuttgarter Team mit mehr Druck als
nie, denn um das Spiel noch zu drehen, war nicht nur ein
Satzgewinn, sondern auch noch ein zweiter notwendig, um den alles
entscheidenden Tie-Break zu erzwingen. Vor allem Jennifer Pettkes
Einsatz am Netz ebnete Allianz MTV den Weg in die Satzführung.
Im dritten Satz präsentierten sich die Spielerinnen vom Neckar
erstmals auf ihrem gewohnten Niveau. Die Roten Raben traten bei
dieser neu gefundenen Stärke des zu Boden gespielt geglaubten
Gegners deutlich nervöser auf als in den vorherigen
Sätzen. Ein spätes Erwachen ist bekanntlich besser als
gar keines, in kürzester Zeit stand es im dritten Satz 19:10
für den Gastgeber.
Liana Mesa Luaces und Lauren Plum hauchten den
Vilsbiburgerinnen wieder neues Leben ein. Jeder Punkt gestaltete
sich für Stuttgart ab dem 20:12 schwieriger, da der Gegner
nichtmehr so einfach mit sich spielen ließ. Aber Vilsbiburg
vermochte an diesem Abend keine Wunder zu verrichten - den dritten
Satz sicherte sich Stuttgart mit 25:18.
Crunchtime erinnerte an das Pokalfinale 2015 gegen die
Ladies in Black
Wie die Volleyballwelt es bereits von Allianz MTV Stuttgart
gewohnt ist, läuft das Team vor allem in kritischen Phasen
eines Spiels zu Höchstform auf, wenn die Crunchtime nicht erst
am Ende eines Satzes beginnt, sondern ab dem Ende des zweiten
Satzes andauert, so wie einst im Pokalfinale 2015, als Stuttgart
den 0:2-Rückstand gegen die Ladies in Black Aachen erfolgreich
anfechtete! Auch im vierten Satz nahmen die Fans in der SCHARRena
nur einen Atemzug - einen Atemzug des Hoffens, des Bangens, des
Staunens. 180 Grad reichen nicht aus, um die Kehrtwende zu
beschreiben, die das Stuttgarter Spiel nach dem Gewinn des dritten
Satzes gemacht hatte. Jegliche Wechselmaßnahmen des
Vilsbiburger Trainers blieben indes unwirksam. Allianz MTV steuerte
wieder mit Vollgas die SAP-Arena in Mannheim an. Beim Zwischenstopp
in der zweiten technischen Auszeit stand es 16:7 für den
Supercup-Sieger. Und zum Satzende 25:13. Der herbeigesehnte
Tie-Break ward erzwungen.
Im fünften Spannungssatz schenkten sich die beiden Teams
nun gar keine Punkte mehr, lieferten sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen,
Schritt für Schritt näher nach Mannheim. Allen
Spielerinnen war anzumerken, dass ihnen bei jeder
Ballberührung bewusst war, was von diesem Satz abhing. Beim
Seitenwechsel führten die Roten Raben noch mit 7:8 - zum
letzten Mal in diesem Spiel! Stuttgart sammelte, angespornt von den
Fans, konsequent Punkt für Punkt, bis Valerie Nichol das
Schicksal der beiden Teams mit einem taktischen Stellertrick
besiegelte. "Wir mussten uns zu Beginn einfach finden, das hat
heute sehr lange gedauert. Aber ich denke, der Wille, ins Finale zu
kommen und ein bisschen Glück haben uns gerettet. Vilsbiburg
ist so ein starkes Team, sie werden am Ende der Saison sicherlich
mit oben in der Tabelle stehen", resümierte Jennifer Pettke
dieses Spiel, eine Achterbahnfahrt der Gefühle.
Allianz MTV Stuttgart tritt erneut im Pokalfinale in Mannheim
an, gegen den Schweriner SC, der sein Ticket mit einem 3:0-Sieg
gegen den SC Potsdam löste. "Ich glaube, ich realisiere das
erst in ein paar Tagen", sagte Außenangreiferin Julia Schaefer
nur Minuten nach dem Sieg. Ähnlich wie ihr und dem Team wird
es auch den Stuttgarter Fans gehen.
Vilsbiburgs Libera Saana Koljonen verletzte sich im Spiel,
für sie sprang anschließend Srna Markovic als Libera ein.
Allianz MTV Stuttgart wünscht Saana eine gute und schnelle
Genesung!
Starting Six der Roten Raben: Hashimoto - Burdine (MVP) -
Wagendorp - Stigrot - Markovic - Wezorke, Libera Koljonen
Starting Six von Allianz MTV: Mlejnková - Grant - Nichol -
Sandor - Pissinato - Whitney, Libera Buakaew (MVP)
published on Thursday, November 24, 2016 at 1:30 PM; created by Sarah Engler, MTV Stuttgart 1843 e.V.
Last modification: 11/24/16, 2:06 PM