Pokalsieger 2025

Eine Nervenschlacht der besonderen Art

Allianz MTV Stuttgart vs. Rote Raben Vilsbiburg, 11/23/16, POK F
Die Freude nach dem Sieg war groß, nachdem Stuttgart dem Pokalaus nur knapp entgangen war.
Photo: www.tombloch.de

Stuttgart, 18.58 Uhr: Die SCHARRena bebt, das Dröhnen der Klatschpappen tost durch die Ohren, die Spielerinnen stehen auf dem Feld, in Erwartung des ersten von vielen Pfiffen, die an diesem Abend entscheiden, wer am 29.01. in Mannheim um den begehrten DVV-Pokal spielen darf. Aber weder die 1720 Zuschauer, noch die beiden Teams ahnen, was sie in den folgenden 114 Minuten erwartet.

Stuttgart startete holprig in den Satz, erschien nicht wach genug, um Spielsituationen rechtzeitig zu analysieren und angemessen zu reagieren. In den Angriffen gelang es dem Gastgeber vom Neckar nicht, Kraft und Präzision zu vereinen und ermöglichte den Roten Raben Vilsbiburg so ein leichtes Abwehrspiel. Bereits beim 1:4 nahm Stuttgarts Trainer Hernández die erste taktische Auszeit - nach einem Ass von Nichol war die Absprache auf der Stuttgarter Seite zwar noch nicht ganz stimmig, aber zumindest gelangen dem Team die Annahmen besser.

Mit etwas Glück und dynamischerem Spiel kämpfte sich Allianz MTV dann jedoch über die erste technische Auszeit hinweg auf der Punkteskala nach oben und ging erstmals vor Vilsbiburg in Führung. Dieser Vorsprung stellte sich alsbald als zerbrechlich heraus - 10:10. Die enorme Steigerung der Roten Raben seit dem Heimspiel am 28.10., bei dem die drei Punkte mit einem glatten, aber knappen 3:0-Sieg an Stuttgart gingen, war augenscheinlich. Das Team um Cheftrainer Jonas Kronseder gestaltete sich als noch schwererer Gegner als der Dresdner SC im Pokal-Viertelfinale - und als ein mehr als würdiger Gegner für das Halbfinale!

Stuttgart spielte wie paralysiert

Keao Burdine und Srna Markovic stellten den Stuttgarter Block durch druckvolle Angriffe Spielzug für Spielzug auf die Probe, erfolgreich! Leichte, ärgerliche Fehler der Heimmannschaft ließen die Roten Raben auf 12:16 davonziehen - und Allianz MTV vermochte nicht, in der Minute, die dem Team in der zweiten technischen Auszeit blieb, nach einer schnellen, aber wirkungsvollen Lösung zu suchen. Der überwältigende Kampfgeist der Roten Raben Vilsbiburg paralysierte Valerie Nichol, Micheli Tomazela Pissinato und Co. regelrecht. Der erste Satzgewinn sollte nach einem letzten Herankämpfen Stuttgarts bis zum 23:25 an die Gäste aus Vilsbiburg gehen.

Mit zusätzlich gewonnenem Selbstvertrauen griffen die Gegnerinnen aus Niederbayern erneut im zweiten Satz des Halbfinales an und dominierten das Spiel in der Stuttgarter SCHARRena in nahezu jeder Hinsicht. Erst zum 6:6 schaffte Allianz MTV den Ausgleich. Durch grandiose Rettungsaktionen und immense Blockstärke, in Person von Marlies Wagendorp und Barbara Wezorke, setzte sich Vilsbiburg darauf wieder zum 6:8 ab. Der sonst so starke Kampfgeist der Stuttgarterinnen leuchtete in diesem Satz nur schwach, erinnerte an den ersten Satz, der bereits nicht zugunsten der blauen Schmetterlinge ausgegangen war. Nach einem Stuttgarter Aufstellungsfehler zum 8:15 kündigte Hernandez den ersten Doppelwechsel an: Kočar und Van Daelen für Nichol und Whitney. Der Wechsel brachte zwar frischen Wind in die Stuttgarter Segel, bremste den Gegenwind der flügelschlagenden Raben jedoch auch nicht aus.

Trainer Hernández probierte Alternativen aus

12:19 - Erneuter Doppelwechsel zur ursprünglichen Aufstellung hin zurück, aber auch diese Maßnahme blieb erfolglos. Für Michaela Mlejnková kam zum 12:21 dann Julia Schaefer erstmals aufs Feld. Zum 14:22 Mittelblockerin Jennifer Pettke für Nia Grant. Weder die eingewechselten Spielerinnen, noch das gesamte Team auf dem Feld konnten den unweigerlichen Ausgang von 17:25 noch richten.

In den dritten Satz ging das Stuttgarter Team mit mehr Druck als nie, denn um das Spiel noch zu drehen, war nicht nur ein Satzgewinn, sondern auch noch ein zweiter notwendig, um den alles entscheidenden Tie-Break zu erzwingen. Vor allem Jennifer Pettkes Einsatz am Netz ebnete Allianz MTV den Weg in die Satzführung. Im dritten Satz präsentierten sich die Spielerinnen vom Neckar erstmals auf ihrem gewohnten Niveau. Die Roten Raben traten bei dieser neu gefundenen Stärke des zu Boden gespielt geglaubten Gegners deutlich nervöser auf als in den vorherigen Sätzen. Ein spätes Erwachen ist bekanntlich besser als gar keines, in kürzester Zeit stand es im dritten Satz 19:10 für den Gastgeber.
Liana Mesa Luaces und Lauren Plum hauchten den Vilsbiburgerinnen wieder neues Leben ein. Jeder Punkt gestaltete sich für Stuttgart ab dem 20:12 schwieriger, da der Gegner nichtmehr so einfach mit sich spielen ließ. Aber Vilsbiburg vermochte an diesem Abend keine Wunder zu verrichten - den dritten Satz sicherte sich Stuttgart mit 25:18.

Crunchtime erinnerte an das Pokalfinale 2015 gegen die Ladies in Black

Wie die Volleyballwelt es bereits von Allianz MTV Stuttgart gewohnt ist, läuft das Team vor allem in kritischen Phasen eines Spiels zu Höchstform auf, wenn die Crunchtime nicht erst am Ende eines Satzes beginnt, sondern ab dem Ende des zweiten Satzes andauert, so wie einst im Pokalfinale 2015, als Stuttgart den 0:2-Rückstand gegen die Ladies in Black Aachen erfolgreich anfechtete! Auch im vierten Satz nahmen die Fans in der SCHARRena nur einen Atemzug - einen Atemzug des Hoffens, des Bangens, des Staunens. 180 Grad reichen nicht aus, um die Kehrtwende zu beschreiben, die das Stuttgarter Spiel nach dem Gewinn des dritten Satzes gemacht hatte. Jegliche Wechselmaßnahmen des Vilsbiburger Trainers blieben indes unwirksam. Allianz MTV steuerte wieder mit Vollgas die SAP-Arena in Mannheim an. Beim Zwischenstopp in der zweiten technischen Auszeit stand es 16:7 für den Supercup-Sieger. Und zum Satzende 25:13. Der herbeigesehnte Tie-Break ward erzwungen.

Im fünften Spannungssatz schenkten sich die beiden Teams nun gar keine Punkte mehr, lieferten sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen, Schritt für Schritt näher nach Mannheim. Allen Spielerinnen war anzumerken, dass ihnen bei jeder Ballberührung bewusst war, was von diesem Satz abhing. Beim Seitenwechsel führten die Roten Raben noch mit 7:8 - zum letzten Mal in diesem Spiel! Stuttgart sammelte, angespornt von den Fans, konsequent Punkt für Punkt, bis Valerie Nichol das Schicksal der beiden Teams mit einem taktischen Stellertrick besiegelte. "Wir mussten uns zu Beginn einfach finden, das hat heute sehr lange gedauert. Aber ich denke, der Wille, ins Finale zu kommen und ein bisschen Glück haben uns gerettet. Vilsbiburg ist so ein starkes Team, sie werden am Ende der Saison sicherlich mit oben in der Tabelle stehen", resümierte Jennifer Pettke dieses Spiel, eine Achterbahnfahrt der Gefühle.

Allianz MTV Stuttgart tritt erneut im Pokalfinale in Mannheim an, gegen den Schweriner SC, der sein Ticket mit einem 3:0-Sieg gegen den SC Potsdam löste. "Ich glaube, ich realisiere das erst in ein paar Tagen", sagte Außenangreiferin Julia Schaefer nur Minuten nach dem Sieg. Ähnlich wie ihr und dem Team wird es auch den Stuttgarter Fans gehen.

Vilsbiburgs Libera Saana Koljonen verletzte sich im Spiel, für sie sprang anschließend Srna Markovic als Libera ein. Allianz MTV Stuttgart wünscht Saana eine gute und schnelle Genesung!

 

Starting Six der Roten Raben: Hashimoto - Burdine (MVP) - Wagendorp - Stigrot - Markovic - Wezorke, Libera Koljonen

Starting Six von Allianz MTV: Mlejnková - Grant - Nichol - Sandor - Pissinato - Whitney, Libera Buakaew (MVP)

published on Thursday, November 24, 2016 at 1:30 PM; created by Sarah Engler, MTV Stuttgart 1843 e.V.
Last modification: 11/24/16, 2:06 PM
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